Der Rhönklub ZV Vacha beim Auftakt zur Stafettenwanderung von Blatná in Tschechien nach Brüssel

Von Joachim Vogt

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Schloß Blatná Die Gruppe des RK ZV Vacha vor dem Start
tschechisch-deutsche Wandergruppe bei einer Rast unterwegs, der 5. von rechts ist der Präsident der EWV, Wanderfreund Jan Hawelka die Gruppe vor Schloß Lnáre

"Von Südböhmen bis zum Ende der Welt" heißt ein Projekt, mit dem sich die Region Südböhmen anlässlich der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft (1. Halbjahr 2009 in Brüssel) präsentieren will. Dabei werden Touristen aus Tschechien, Deutschland, Holland und Belgien und vielleicht auch aus anderen Ländern ab Ende März 2009 vom südböhmischen Blatná aus nach Brüssel wandern. Insgesamt sollen in 77 Tagesetappen 1420 km absolviert werden.
So etwa lautete die Einladung, die uns vom Partnerschaftskomitee Blatná - Vacha übergeben wurde.
Nun ist die Stadt Blatná schon seit vielen Jahren partnerschaftlich mit Vacha verbunden und es bedurfte im Rhönklub keiner langen Diskussion um die Teilnahme. Wir machen mit bei der Startetappe! (wenn auch viele Wanderfreunde noch das nachwinterliche Wetter abschreckte). Und so fuhren wir mit 9 unentwegten Vereinsmitgliedern am 27. März nach Blatná südlich von Pilsen.
Die etwas ungewöhnliche Stafettenwanderung von Südböhmen aus hat einen historischen Hintergrund. Bereits 1465 reiste der böhmische Edelmann Jaroslaw Lew von Rozmitál und Blatná mit zahlreichem Gefolge im Auftrag des böhmischen Königs Georg von Podiebrad an die Höfe vieler europäischer Fürsten, um eine Friedensbotschaft zu überbringen und um die verschiedenen Völker und ihre Sitten kennenzulernen. Das ist heute im zusammenwachsenden Europa noch genauso aktuell wie vor mehr als 500 Jahren.
In Deutschland werden 2009 solche Städte wie Bayreuth, Nürnberg, Ansbach, Heidelberg, Darmstadt, Frankfurt/M.,Mainz, Koblenz, Köln und Aachen besucht werden, um dann über Holland und Belgien nach Brüssel zu gelangen, wo zum Abschluss am 27. Juni 2009 eine große Street- Party stattfindet.
Doch zurück zum ZV Vacha, wir fanden in Blatná eine äußerst gastfreundliche Aufnahme. Sei es beim gemeinsamen feierlichen Abendessen mit dem Bürgermeister und seinen Stadtvertretern, sei es bei der Besichtigung der historischen Altstadt von Pilsen, bei der uns ein guter Blatnáer Freund führte oder den Begegnungen bereits seit langem freundschaftlich verbundener Familien. Und da viele Tschechen deutsch sprechen, half man uns oft mit Hinweisen beim Einkauf oder mit touristischen Tipps während der Wanderung.
Diese wurde am Sonntag, dem 29. März 2009 im Schloßhof des altehrwürdigen Blatnáer Schlosses feierlich eröffnet. Mit einem Singspiel, das an die Mission des böhmischen Edelmannes im Jahre 1465 erinnerte und mit einem Ritter-Turnier war der historische Rahmen abgesteckt. Grußadressen der südböhmischen Repräsentanten, des Bürgermeisters von Blatná und des Präsidenten der Europäischen Wandervereinigung (EWV), Jan Hawelka folgten. Die EWV ist auch insgesamt die Organisatorin dieser Friedens-Stafette. Auf dem Schloßhof hatten sich mehrere Hundert Wanderer und Schaulustige eingefunden, Presse und Fernsehen natürlich auch. Und es regnete! Es hatte schon tagelang geregnet, nicht eben viel, aber es war eben doch lästig.
Ein Trompetensignal rief zum Start und so zogen wir erst durch den Schloßpark mit seinen zahlreichen Teichen und zur Stadt hinaus. Schnell hatten sich Gruppen und Grüppchen gebildet, der Hauptwanderweg war gut markiert. Die südböhmische Landschaft um Blatná ist etwa vergleichbar mit der Rhön. Auch dort schweift der Blick sehr weit über Wiesen und Täler, die Berge sind aber niedriger als bei uns. Wir haben uns vorgenommen, noch einmal im Sommer in diese Gegend zu fahren. - Aber es nieselte immer noch, die Wege wurden immer schlammiger, sodaß wir dann quer über die Wiesen liefen. - Bei einem Zwischenstopp hatte sich schnell eine deutsch-tschechische Gruppe gebildet, zu der auch der Präsident der EWV, Herr Hawelka gehörte. Jemand kam auf die Idee, doch das am Wege liegende Schloß Lnáre zu besichtigen. Aber es war doch Sonntag und eigentlich geschlossen! Doch der telefonisch herbeigerufene Kastellan des Schlosses, Herr Kurz war sofort bereit, uns zu führen - unentgeltlich! So konnten wir dieses barocke Kleinod mit seinen Fresken, Stuckdecken und mit den reich verzierten Kachelöfen gebührend bewundern. Nur gab es nun ein Sprachproblem, aber Herr Hawelka übersetzte die Ausführungen des Herrn Kurz simultan ins Deutsche und alle waren zufrieden. Beiden Herren auch noch einmal von dieser Stelle unseren herzlichen Dank. Jede Tour geht einmal zu Ende und wir, die Wandersleute vom ZV Vacha mußten ja noch an diesem Tage wieder zurück nach Thüringen. Deshalb wurde nun Abschied genommen. Wenn wir auch nur einen Teil der ersten Etappe mit gelaufen sind, so war es doch für alle ein tolles Erlebnis.